Pflege WG für traumatisierte Frauen in Planung

Heute schreibt hier Judith, die Mutter von Johanna. Auf der Suche nach der passenden Wohn- und Betreuungsform sind wir auf die Idee gekommen, selbst eine Pflege- und Betreuungs- Wohngemeinschaft für Frauen mit Traumafolgestörungen und Pflegebedarf zu gründen. Nun fragen wir uns, ob es dafür weitere Interessentinnen gibt!?

 

In den letzten zwei Jahren haben wir uns ganz viele Gedanken darüber gemacht, welche Wohnform für Johanna die Beste wäre. Zurzeit lebt sie ja in einer eigenen Wohnung. Solange sie noch laufen konnte und auch, als sie schon im Rollstuhl saß, sich aber selbst umsetzen konnte, klappte das einigermaßen. Ich und zwischendurch auch verschiedene Betreuerinnen halfen ihr bei allem, was sie nicht selber kann. Mit der Zeit brauchte sie aber immer mehr körperliche Hilfe, z. B. bei jedem Wechsel vom Bett in den Rollstuhl. 

 

Zuerst, vor zwei Jahren, haben wir eine betreute Wohngruppe für traumatisierte Frauen gesucht. Alle, bei denen wir angefragt haben, können keine Rollstuhlfahrerinnen aufnehmen. Als nächstes haben wir mit einigen Pflegeheimen gesprochen, die eine extra Abteilung für „junge Pflege“ haben. Vier Heime haben eine Aufnahme von Johanna abgelehnt, weil der Pflegeaufwand zu hoch wäre oder weil sie sich den Umgang mit der Dissoziativen Identitätsstörung nicht zutrauen. Außerdem haben wir bei Besuchen dort auch deutlich gemerkt, dass das nun wirklich nicht der passende Ort für Johanna wäre. 

 

Die Pflege Zuhause ist aber auch nicht optimal. Johanna ist doch sehr isoliert, Pflegedienste funktionieren nicht, weil die einfach an ihre engen Zeitfenster gebunden sind und so hängt alles an mir, was auf die Dauer keine Lösung ist. 

 

Was gibt es sonst noch für Möglichkeiten? Johanna wünscht sich „ein kleines Häuschen am Wald mit Tieren und einem schönen Garten“. Also eine reizarme Umgebung mit Menschen, die verständnisvoll mit ihr umgehen. 

 

Für Senioren mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf gibt es immer mehr „Pflege WGs“. Dabei mieten oder kaufen sich mehrere Senioren ein Haus oder eine große Wohnung und organisieren gemeinsam Betreuung und Pflege. Die Bewohner selbst gestalten ihr Zuhause und sind dabei nicht an starre Regeln gebunden, wie sie in einem Heim gelten müssen. So ein ähnliches Modell stellen wir uns auch für psychisch kranke Frauen mit Pflegebedarf vor. Für Johanna ist der Umgang mit Tieren sehr wichtig. Wir haben eine Freundin in Schleswig-Holstein, die so ein Projekt unterstützen würde. Sie ist Hundetrainerin und beschäftigt sich mit psychisch Kranken. Deshalb würden wir das Wohnprojekt gerne in der Nähe von Kiel/Eckernförde ansiedeln. 

Hans Peter Dehn  / pixelio.de
Hans Peter Dehn / pixelio.de

Es sollte ein Haus in einer schönen Umgebung sein - nicht in der Stadt. Natürlich muss das Haus komplett rollstuhlgerecht und barrierefrei sein, es müsste entsprechend umgebaut werden. Je nach Größe des Hauses könnten da vielleicht 4 bis 8 Frauen leben. Jede hätte ihr eigenes Zimmer und es könnte einen Gemeinschaftsbereich geben. Im Garten kann man sich sinnvoll beschäftigen und in der Natur zur Ruhe kommen. Unsere befreundete Hundetrainerin würde mit ihren Vierbeinern regelmäßig ins Haus kommen. Die Bewohnerinnen könnten so mit Hunden arbeiten, ohne komplett die Verantwortung tragen zu müssen. Wenn eine Frau schon ein Tier hat, könnte sie das natürlich in die WG mitbringen. Manche Therapien z. B. Ergotherapie und Physiotherapie könnten im Haus stattfinden, eventuell in der Gruppe. Es könnte auch einen Fahrdienst geben. Die Bewohnerinnen können sich je nach ihren Möglichkeiten gegenseitig unterstützen und im Haushalt mitarbeiten. So viel Normalität wie möglich, aber in einem behüteten Rahmen. 

 

Die Bewohnerinnen müssten alle einen Anspruch auf Eingliederungshilfe und einen Pflegegrad bzw. Anspruch auf persönliches Budget haben. Dann könnte man gemeinsam Betreuung und Pflege darüber finanzieren. Für Pflege WGs gibt es noch zusätzlich Zuschüsse. Auch für den Kauf oder die Miete des Haues und für Umbaumaßnahmen gibt es Fördermittel. Es ist also gar nicht unrealistisch. 

 

Aus meinem beruflichen Umfeld habe ich eine Menge Erfahrung mit Projekten und öffentlichen Fördermitteln. Es gibt also schon eine Idee, ein Konzept und konkrete Pläne. Bisher haben wir noch kein Haus in Aussicht! Zuerst müssten wir ein paar Interessentinnen finden, die mitmachen und eigene Ideen einbringen möchten. Natürlich gäbe es erstmal Treffen zum Kennenlernen. 

 

Weitere Informationen zu der Organisierung und Finanzierung des Wohnprojektes, gibt es hier!

 

Wenn betroffene Frauen sich vorstellen können, in so einer Wohngemeinschaft zu leben oder Fragen haben,

freuen wir uns über Mails an wirrwege@gmail.com

 

Wir freuen uns auch über Zuschriften mit hilfreichen Ideen, Hinweisen auf ähnliche Projekte und allen anderen Informationen,

die uns weiterhelfen können.

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Kommentare: 1
  • #1

    Susanne Schäfer (Sonntag, 08 Juli 2018 21:20)

    Das ist eine gute Idee.