Assistenzleistungen


Jeder Assistenzhund wird speziell für die Halterin ausgebildet. Es gibt viele verschiedene Assistenzleistungen die möglich sind. Welche im Einzelfall sinnvoll sind, sollte man sich gründlich überlegen, sie können sich im Laufe der Zeit natürlich auch verändern. Ich habe im Folgenden die Assistenzleistungen gesammelt, von denen ich weiß, dass sie von Teams eingesetzt werden.

 

Einige der beschriebenen Assistenzleistungen sind ganz einfach Kommandos, die jeder Mensch bzw. jeder gute Hundetrainer jedem Hund beibringen kann z. B. Apportieren oder Menschen "abblocken".

Die Zweite Kategorie der Assistenzleistungen ist weitaus schwieriger: Hier muss der Hund spüren oder erkennen, dass es seinem Menschen nicht gut geht und er muss selbst initiativ werden um ihm zu helfen z. B. aus Albträumen wecken, Panikattacken/ Dissoziationen unterbrechen.

 

Zielsetzung: Der Hund soll zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Kommandos

Distanz schaffen + nach vorne und hinten absichern / blocken

Der Assistenzhund lernt, sich zwischen seine Halterin und fremde Menschen zu stellen um somit der Halterin mehr Platz zu schaffen. Die meisten Betroffenen haben sehr große Angst vor Menschen die einem zu nahe kommen wie z. B. an der Supermarktkasse. Für mich persönlich war das Blocken die wichtigste Assistenzleistung, die Alec sofort und sehr zuverlässig ausgeführt hat.

Apportieren

Ob die Medikamententasche, eine Wasserflasche, Skills, das Telefon, der Hund kann alle möglichen Gegenstände apportieren. z. B. bei einem Dissoziativen Stupor kann die Betroffene sich nicht bewegen und aufstehen, um sich ein Getränk, Skills, oder das Notfallmedikament zu holen.

Zum Ausgang führen (aus einem Geschäft)

Der Assistenzhund führt seine Halterin auf Kommando, oder wenn er merkt, dass es ihr schlecht geht, aus einem Laden heraus.  Das funktioniert natürlich nur in kleinen, übersichtlichen Läden, oder in Geschäften, die der Hund gut kennt.

Zum Rand führen z. B. aus einer Menschenmenge heraus

Menschenmengen sind für viele Betroffene der reinste Horror. Der Hund kann seine Halterin aus dem Gedränge heraus zum Rand führen, damit sie wieder durchschnaufen kann.

Zu einer Sitzgelegenheit führen

Wenn die Halterin schnell erschöpft ist, oder wackelig auf den Beinen ist, sucht der Hund eine nahe gelegene Sitzgelegenheit und führt seinen Menschen dort hin. Ich kann durch die Dissoziative Bewegungstörung nur sehr schlecht gehen, ich verliere jegliches Gefühl in den Beinen, da war mir diese Assistenzleistung sehr wichtig.

Auf Kommando bellen zur Abschreckung

Viele Betroffene haben schlimme Erfahrungen machen müssen und haben deswegen Angst vor Menschen. Sollte ein Fremder der Halterin Angst machen oder zu nahe treten, bellt der Hund zur Abschreckung. Ansonsten ist das Bellen bei Assistenzhunden nicht erwünscht.

Menschen anzeigen die sich von hinten nähern

Menschen die sich von hinten annähern haben für viele Betroffene ein hohes Angstpotential. Der Hund wird sich umschauen und die Halterin z. B. anstubsen, um sie so aufmerksam zu machen, damit sie sich nicht zu sehr erschreckt.

Räume nach Menschen absuchen und ggf. anzeigen

So wie ich auch, haben manche Betroffenen Angst, in dunkle Räume zu gehen oder die dunkle Wohnung zu betreten. Der Hund kann lernen, Räume abzusuchen und anzuzeigen, sollte dort jemand sein.

Nach Hause bringen

Der Assistenzhund lernt einfache Wege zurück zu verfolgen und so seine Halterin nach Hause zu bringen. Lange, unbekannte Wege sind natürlich nicht möglich. Wenn die Halterin jedoch täglich die gleichen Wege abgeht, weiß der Hund sehr schnell wie man von dort nach Hause gelangt. Der Hund lernt dann z. B. wenn die Halterin durch eine Dissoziation verwirrt ist und nicht mehr weiß, wo sie sich befindet sie nach Hause zu führen. Mir persönlich ist es schon oft passiert, dass ich Stunden lang umhergeiirt bin, weil mir durch das Derealisierungssyndrom meine Umwelt so fremd vorkam und ich mein Haus nicht erkannt habe. Deshalb war mir diese Assistenzleistung sehr wichtig, zuerst dachte ich, der Hund könnte mich auch zur Therapie in der Innenstadt führen, aber das ist schwierig.

Voran um Hausecken gehen

Hinter jeder Hausecke könnte eine Gefahr lauern. Zumindest haben viele Betroffene davor Angst. Der Hund schaut zuerst um die Hausecke und prüft ob alles frei ist. Wenn nicht kann er sich z. B. absetzen und warten, bis alles frei ist.


Assistenzleistungen mit Eigeninitiative

Die Bereitschaft, aus eigenem Antrieb seelischen Beistand zu leisten, entwickelt sich nach und nach. Bei einem Welpen kann man noch nicht erkennen, ob er sie mitbringt oder nicht. Die Eigeninitiative kann man natürlich nicht erzwingen, aber durch intensive Arbeit an der Bindung fördern. 

Flashbacks, Dissoziationen, Selbstschädigungen und Panikattacken unterbrechen und danach trösten

Viele Hunde haben ein sehr feines Gespür, sie merken viel früher als der Mensch selbst, wenn es ihm schlecht geht. In solchen Situationen könnte der Assistenzhund z. B. selbstständig die Medikamententasche bringen, zum Spielen auffordern oder Körperkontakt suchen. Bei Alec zeigte sich, dass er durch meine Zustände verwirrt war. Er ist kein Hund, der zu jederzeit bei mir bleiben wollte. Sobald es mir schlecht ging, wurde es für ihn eigenartig und er verließ den Raum. 

Aus Albträumen holen uns das Licht an- und ausschalten

Wenn der Hund sensibel genug ist, kann er Albträume bemerken und seinen Menschen daraus aufwecken und den Körperkontakt suchen. Das hilft dabei, wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Er kann auch lernen das Licht ein- und auszuschalten. 

Aus einer unangenehmen Situation/Gespräch herausziehen

Sobald der Hund spürt, dass sich sein Mensch in einer Situation unwohl, bedroht, ängstlich... fühlt, kann er z. B. den Menschen anstubsen, Aufmerksamkeit einfordern, oder mit einem Ball, der am Gürtel befestigt wird, ziehen. In dem Ausbildungsplan, den die erste Trainerin für Alec aufgestellt hatte, sollte die Übung mit dem Ball zu seinen Basisaufgaben zählen. Ich halte das jedoch für eine sehr spezielle Übung, weil der Hund ja erstmal erkennen muss, wann es beim Menschen brenzlig wird. Und dann muss dem Hund gezeigt werden, wie kräftig seine Aktion sein soll.

Deep Pressure Therapy

In Deutschland ist DPT noch nicht wirklich bekannt. Der Mensch bringt dem Hund bei, sich in beliebiger Position (sitzen, stehen, liegen) mit seinem ganzen Körper, oder nur mit einem Teil auf den Menschen zu legen, zu stützen oder anzulehnen. Das Körpergewicht des Hundes, seine Wärme und sein regelmäßiges Atmen beruhigt und erdet. Später kann der Hund DPT aus eigenem Antrieb machen, wenn es dem Menschen schlecht geht oder er dissoziiert. Wann diese Aufgabe sinnvoll und hilfreich ist, ist bei jedem Team unterschiedlich. Bei Betroffenen, die einen starken Drang haben zu flüchten, ist DPT wahrscheinlich nicht besonders schlau.


An Medikamente erinnern, bringen und auffordern einzunehmen

Der Assistenzhund  lernt zu einer bestimmten Zeit, oder wenn die Halterin Hilfe braucht, die Medikamententasche zu bringen. Er kann so lange z. B. anstubsen bis die Halterin das Medikament einnimmt.


Bei all den spezifischen Assistenzleistungen ist nicht zu vergessen, dass der Hund einem vor allen Sicherheit spendet. Mir hat es immer sehr gehofen, dass ich in der Stadt einfach auf meinen Hund schauen und mich auf ihn konzentrieren konnte. Ein Assistenzhund gibt einem eine Tagesstruktur und eine Aufgabe.