Tipps für die Ausbildung


Alles was ich hier zum Thema Ausbildung schreibe, ist eine rein persönliche Einschätzung. Was für mich richtig ist, kann für jemand Anderen komplett falsch sein. Ich möchte nur den Tipp geben, die Trainerin und das Konzept genau zu hinterfragen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Ich bin damals z. B. ordentlich auf die Nase gefallen, weil ich hauptsächlich auf die erste Sympathie beim ersten Treffen geschaut habe. Das war ein großer Fehler.

Trainerauswahl

Die Auswahl des passenden Trainers ist enorm wichtig. Ich habe das Gefühl, dass es in den letzten Monaten einen richtigen Boom an Interessenten für einen PTBS Assistenzhund gibt. Wenn man im Netz nach Ausbildern sucht, findet man mittlerweile eine Vielzahl von Angeboten. Ich persönlich kann überhaupt nicht beurteilen, wer gut oder nicht so gut ist, ich kann und möchte nur von meiner eigenen Erfahrung berichten. In Foren kursieren Beiträge und Äußerungen, die ziemlich unter die Gürtellinie gehen. Man kann ja darüber diskutieren, welche Trainingsmethoden die Besten sind, aber ich finde, man sollte dabei sachlich und fair bleiben. Um jemanden beurteilen zu können, sollte man ihn/sie zumindest persönlich kennengelernt haben. 

 

Um herauszufinden, ob die Trainerin die Richtige für einen ist könnte man z. B.:

  • sich anschauen und prüfen, wo die Trainerin ihre Ausbildung zum Hundetrainer und Assistenzhundetrainer absolviert hat, Zeugnisse und Zertifikate anfordern und über die Ausbildungstelle informieren
  • nachfragen und prüfen, ob die Trainerin über psychologische Kenntnisse verfügt, z. B. berufliche Vorkenntnisse, nachweisbare Weiterbildungen
  • nachfragen welchen Berufsverbänden die Trainerin angehört
  • Referenzen von Kunden anfordern und nachfragen wie sie die Ausbildung und Trainerin empfunden haben 
  • bei einer Trainingsstunde mit einem Assistenzhund hospitieren
  • sich vorab einen Ausbildungsvertrag und die AGB schicken lassen und diese ggf. von einem Rechtsanwalt oder Verbraucherzentralen prüfen lassen
  • mehrere verschiedene Ausbildungsstellen und Trainer vergleichen und kennenlernen

 

Es gibt Trainer/innen, die alleine arbeiten, andere sind einem Netzwerk angeschlossen und es gibt auch Vereine, die sich auch gleich mit um die Finanzierung kümmern. Alle Modelle haben Besonderheiten. Bei einer Einzeltrainerin muss sichergestellt sein, dass das Training weiter gehen kann, auch wenn die Trainerin länger ausfällt.

 

Bevor es zum Vertragsabschluss kommt, sollten mehrere intensive Gespräche geführt werden. Macht sich die Trainerin ein genaues Bild über deinen Gesundheitszustand. Fragt sie nach deinen Wohnverhältnissen? Prüft sie, ob du Unterstüzung in deinem Umfeld hast? Hört sie dir genau zu und stellt dazu weitere Fragen? All das deutet darauf hin, dass sie ihre Aufgabe wirklich ernst nimmt und verantwortungsbewusst mit dir und auch mit deinem Hund umgehen wird.

 

Wichtig ist auch die Überlegung, wie weit das Ausbildungsinstitut entfernt sein darf. Ich habe für mich gemerkt, dass mir ein Trainingswochenende im Monat nicht reicht. An einem Wochenende gibt es viel zu viel Input in zu kurzer Zeit und den Rest des Monats hat man nur telefonische Betreuung. Wöchentliche Trainingsstunden finde ich persönlich viel besser und effektiver. Wenn man in einer Großstadt wohnt, ist das bestimmt nicht so ein großes Problem. Wer auf dem Land wohnt hat wahrscheinlich nicht so viel Auswahl. Trotzdem finde ich, dass es wichtig ist darüber nachzudenken.

Welcher Hund passt zu dir?

Meiner Meinung nach sollte jeder, der sich für einen Assistenzhund interessiert, sich erst einmal genau fragen, welches Wesen und Eigenschaften der Hund haben sollte, um ins eigene Lebensumfeld zu passen. Wie sieht dein Alltag aus? Brauchst du einen starken Beschützer oder eher einen sensiblen Kuschelpartner? Welche Assistenzaufgaben brauchst du? Viele Trainer raten gleich zu einem Labrador Retriever (den ich persönlich gar nicht so geeignet finde) oder Golden Retriever, die haben aber auch ihre Vor- und Nachteile. Heute glaube ich, dass die Rasse gar nicht so wichtig ist.

Welpe oder Junghund?

Ich weiß, dass in der Assistenzhundeszene diese Frage sehr kontrovers diskutiert wird. Ich gebe hier nicht meine eigene Meinung an, sondern stelle mögliche Vor- und Nachteile gegenüber. Die eigene Hundeerfahrung und der psychische Zustand sind hier mit ausschlaggebend.

Beim Kauf eines Welpen

Der Welpe wohnt die ersten Monate bei der Trainerin oder einer Patenfamilie.

 

Vorteile:

  • er wird schon sehr früh fachmännisch ausgebildet und sozialisiert
  • die Halterin ersparrt sich die anstrengende Zeit mit einem Hundebaby

 

Nachteile:

  • es ist nicht sicher, ob der Hund später wirklich geeignet ist (Gesundheit, Wesen)
  • der Hund lernt erst später, wenn er bei seiner Assistenzhundehalterin einzieht Dissoziative Zustände, Panikattacken, Innenpersonen etc. kennen
  • die Bindung zur Halterin kann erst später aufgebaut werden, er muss den Umzug verkraften, Bezugspersonen wechseln

Der Welpe zieht gleich bei der Assistenzhalterin ein.

 

 

Vorteile:

  • enge Bindung von Anfang an
  • der Hund ist von Anfang an in seinem Zuhause und lernt gleich Dissoziationen, Panikattacken, Innenpersonen, Zustände etc. kennen und betrachtet es als normal (Vorsicht, Überforderung möglich)

Nachteile:

  • es ist nicht sicher, ob der Hund später wirklich geeignet ist (Gesundheit, Wesen)
  • ein Welpe macht viel Arbeit und Stress, der für manche psychisch kranke Menschen nicht aushaltbar ist
  • nicht jeder kann den Welpen ordentlich sozialiseren (ohne eigene Angst dem Welpen alles zeigen)
  • der Welpe braucht eine starke, verlässiche Bezugsperson

Beim Kauf eines Junghundes/erwachsenen Hundes

Der Hund kann entweder vorher von der Trainerin ausbildet worden sein, oder man kauft sich einen "rohen" Hund z. B. aus dem Tierheim. Wenn man einen älteren Hund kauft, muss vorher gründlich geprüft werden, ob der Hund ordentlich sozialiert wurde oder ob er Verhaltensauffälligkeiten hat.

 

Vorteile:

  • du kannst dir sicher sein, dass der Hund keine Krankheiten hat wie z. B. HD oder ED
  • die anstrengende Welpen- und Flegelphase sind vorbei (kommt aufs Alter und Rasse an)
  • der Hund hat schon ein ausgebildetes, gefestigtes Wesen, es ist sichtbarer, ob der Hund geeignet ist

 

Nachteile:

  • Bindung muss erst aufgebaut werden
  • der Hund lernt erst spät Dissoziative Zustände, Panikattacken etc kennen, das könnte ihm Angst mache oder ihn überfordern
  • bei Hunden aus dem Tierschutz kann man nicht wissen, ob sie schlechte Erfahrungen gemacht haben

Während der Ausbildung

Ich finde, eine der wichtigsten Aufgaben und Verantwortung der Trainerin und Halterin sind kontinuirliche, ehrliche Gespräche und Feedbacks. Stell dir immer wieder die Frage, ob die Grundbedingungen immer noch die gleichen sind oder ob sich bei dir etwas verändert hat. Dann muss das Trainingskonzept vielleicht angepasst werden. Manchmal hat man zunächst Assistenzleistungen definiert und stellt im Laufe der Zeit fest, dass man ganz andere braucht. 

 

Vielleicht ist es wichtig, Zwischenziele festzulegen und diese regelmäßig zu überprüfen, damit wird die lange Ausbildung in kleinere, leichter zu bewältigende Einheiten zerlegt.

 

Achte darauf, dich nicht zu überfordern! Natürlich muss man im Training an seine Grenzen gehen und Dinge tun, vor denen man Angst hat. Wie weit du dabei gehen willst und kannst, musst du selbst entscheiden. Lass dich nicht zu etwas drängen, was dir schadet. Sei ehrlich zu deiner Trainerin. Lieber kleinere Schritte machen und Erfolgserlebnisse haben, als zu schnell zu große Schritte zu machen und dabei ständig zurückgeworfen zu werden.